Der Geist in den Wassern

14.05.2012

„Kein Zweifel, der Geist kann das Universum verändern. (…) Die Vorstellungskraft unseres Geistes im Verein mit der Fähigkeit unserer Hände, unsere Vorstellungen in die Tat umzusetzen, hat uns eine Macht verliehen, die wir kaum noch zu beherrschen vermögen.

Aber wie steht es um jenen anderen Geist, den Geist in den Wassern? Wie steht es um diese riesigen, uns fremden Gehirne, die die Ozeane durchstreifen, die Lieder erklingen lassen, die träumen, die fernen Erinnerungen nachhängen, die einander in Anstand und Moral unterweisen? Wie sieht es in der geistigen Welt eines Geschöpfs aus, dessen Gehirn größer und möglicherweise komplexer ist als das unsere und das seinen Willen nicht in weltverändernde Tat umsetzen kann – und sei es nur deshalb, weil es keine Hände besitzt?

Ich glaube, man kann sich in den Geist des Wals versenken, wenn man sich in das Wasser versenkt. Ob als warmer, plätschernder Tropenozean oder als starke, kalte Dünung in den höheren breiten – das Wasser ist die Wiege des Bewusstseins der Wale.

Wer sich in die Sphäre des Wassers begibt, dem wird sogleich deutlich, wie eng die Beziehung zwischen Geist und Körper ist, die das Meer seinen Geschöpfen auferlegt. Ohne entfremdende Objekte und Ausrüstungen, allein mit dem nackten Körper, der den schwebenden Geist umgibt, werden Körper und Geist wieder eins. Der Geist dringt in eine neue Sphäre vor, in der er Zeit, Schwere und das eigene Selbst als Ganzheit erlebt.

Versuchsweise stelle ich mir vor, ich befände mich im Wasser, in einer Welt wechselnder Strömungen, kreisender Tage und Nächte, in der mir die Anziehungskraft des Mondes auf meinen Körper ebenso bewusst ist wie der Ruf meines Kindes neben mir. Dort lebend, wo die Welt sich Minute um Minute – über die Jahrtausende hinweg erkennbar für mich und meine Art – regt und bewegt, schwebe ich und atme und denke und lasse die Wasser über mir zusammenschlagen und die Sonne meine Augen mit Silberglanz erfüllen.“

Dieses „Gedankenspiel“ von Joan McIntyre kam mir in Erinnerung, als ich den letzten Beitrag über die Freitauchabenteuer von Guillaume Nery schrieb. „Der Geist in den Wassern“ heißt das von ihr im Jahr 1974 erstmals herausgegebene Buch, aus dem der oben zitierte Ausschnitt stammt. Es ist auch nach beinahe vierzig Jahren immer noch eine Quelle der Erkenntnis und des geistigen Vergnügens.

Joan McIntyre: Der Geist in den Wassern. Ein Buch zu Ehren des Bewußtseins der Wale und Delphine. Originalausgabe 1974 by The Yolla Bolly Press in Zusammenarbeit mit Project Jonah, Sausalito, California. Deutsche Erstausgabe by Zweitausendeins, Frankfurt 1982. Seite 94/95. Erlöse aus diesem Buch verwendet das Project Jonah in seiner Kampagne für ein weltweites Moratorium bei der kommerziellen Tötung von Walen und Delphinen.

Die große Freiheit unter den Meeren

29.04.2012

Ein Mensch steht barfuß im weißen Sand des Meeresbodens. Sein Körper befindet sich bis zu den Haarspitzen komplett unter Wasser. Er trägt eine Nasenklammer und eine Taucherbrille, kein Beatmungsgerät, keine Pressluftflasche – er atmet nicht. Er steht ruhig am Rande eines Abgrunds, in den er hineinschaut und der direkt vor seinen Füßen senkrecht in die Dunkelheit eines 200 Meter tiefen Schlunds hinabführt. Er steht am Rand eines sogenannten Blue Hole. Und er atmet nicht.

Nach einem kurzen Moment der Konzentration geht er leicht in die Knie, und wagt aus diesem Schwung heraus den Absprung, um dann im freien Fall scheinbar schwerelos hinabzutauchen in diesen Schlund, dessen Boden so tief verborgen im Dunkeln liegt, dass er beim Absprung nicht zu sehen ist.

Immer tiefer und tiefer gleitet er hinunter. Hoch über ihm glitzern in weiter Ferne noch die lichtdurchschimmerten Wellen des flachen Küstenstreifens, um ihn herum wächst die Dunkelheit mit jedem Meter, den er tiefer hineintaucht. Es ist, als würde ihn eine magische Anziehungskraft so unwiderstehlich in den Bann ziehen, dass er sich diesem Sog einfach nur hingeben kann und in diesem Gleiten des freien Falls vollkommen verschmilzt mit den Elementen und Kräften, die hier am Wirken sind.

Dann erreichen seine Füße den Meeresboden. Unten angekommen, beginnt mit noch immer angehaltenem Atem der Weg zurück, hinauf in die sonnendurchfluteten Wellen des Küstenriffs am Strand von Long Island auf den Bahamas. Behende klettert er die letzte Strecke den steilen, felsigen Rand des Loches hinauf, das den Namen Dean´s Hole trägt und das tiefste bislang bekannte Meeresloch der Welt ist. Oben angekommen, dringt sein Kopf zum ersten Mal wieder über Wasser und nach diesem scheinbar ewig langen Moment vollkommener innerer und äußerer Stille nimmt er den ersten Atemzug und kehrt ins Leben zurück.

Was für ein extremes Erlebnis schier grenzenloser Freiheit! Hart am Rande des Sterbens und von einer magischen Anziehungskraft, die selbst denjenigen vollkommen in ihren Bann zieht, der dem französischen Freitaucher Guillaume Néry bei diesem Abenteuer im Dean´s Hole nur virtuell am Bildschirm folgen kann.

Dieser unglaublichen, geradezu irritierenden Faszination konnte auch ich mich nicht entziehen, als ich den Film vor kurzem zum ersten Mal sah. Den Hinweis auf Guillaume Néry erhielt ich von einem guten Freund und Partner des OUBEY Projekts, der selbst in den Wassern unserer Meere ebenso zuhause ist wie auf dem Land und der von OUBEYs Liebe zum Wasser, zu den Ozeanen und ihren Bewohnern sowie von seiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Tauchen weiß. Da ich damals gedanklich ohnehin gerade intensiv in den architektonischen Unterwasserwelten des Jacques Rougerie unterwegs war, erschien mir die Erkundung des Meeresgrunds durch den unmittelbaren Tauchgang eines Menschen, ohne das schützende Gehäuse eines Sea Orbiter, ohne jegliche technische Hilfsmittel, ohne Netz und doppelten Boden fast wie eine konsequente Steigerung dieser architektonischen Fantasien. Erkundung unbekannter Welten und Grenzgang der Selbsterkundung in einem.

Die faszinierende Wirkung dieses todesnahen Tauchabenteuers auf die Außenwelt ist ebenso extrem wie der Tauchgang selbst. Die Aufregung am Abgrund eines Blauen Lochs im Ozean ist vielleicht verwandt mit der Aufregungsfantasie von der Singularität am Rande eines Schwarzen Lochs im Universum, aus der es kein Entrinnen gibt, sobald man einen bestimmten Punkt der Annäherung überschritten hat. Und hinter beiden Aufregungen verbirgt sich vielleicht dieselbe Sehnsucht, mit der wir Menschen, seit wir in den Nachthimmel blicken, auch davon träumen, durch die endlosen Weiten des Alls zu schweben, um das Geheimnis unser wahren Herkunft zu enträtseln.

Die Videos zu diesem Beitrag finden Sie hier und hier.

Im Erlebnisraum des Staunens

15.04.2012

Man traut seinen Augen kaum, wenn man die Entwürfe von Jacques Rougerie zum ersten Mal sieht. Ein futuristisches Stadtkonzept gänzlich anderer Art als Fritz Hallers „Integral Urban“ präsentiert uns der französische Architekt, den Spuren des großen Jules Verne in die Freiheit tief unter den Meeren folgend. Architektur und Literatur scheinen sich in der Science Fiction auf eine besonders kreative und faszinierende Weise zu kreuzen und immer wieder neu zu befruchten, denn Rougerie macht aus seiner Begeisterung für die fantastischen Abenteuer von Kapitän Nemo und seiner Nautilus „20.000 Meilen unter dem Meer“ kein Hehl.

Im Unterschied zum globalen Besiedlungsmodell Hallers handelt es sich bei Rougerie´s „Underwater Village“ allerdings eher um ein verspieltes „Einzelstück“, dessen Elemente in ihrer Gestaltung und Bauart mehr an exotische, tierisch-pflanzliche Wesen aus den Tiefen der Unterwasserwelt erinnern als an bewohnbare Gebäude.

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Auch die fest verankerten und frei beweglichen Gehäuse des Unterwasser-Observatoriums „Seaspace“ haben durchaus Ähnlichkeit mit lebendigen Meeresbewohnern oder deren Mutationen zu einer Mischung aus Fisch und gigantischem Schalentier.

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Wie ein riesiges Seepferd oder die Spitze eines gigantischen weißen Hai, der mit geballter Kraft aus dem Wasser empor schnellt, wirkt die spektakuläre Kapsel „Sea Orbiter, mit der eine 18köpfige Besatzung auf Fahrt gehen kann. Der Stapellauf ist für 2013 geplant. Der „Sea Orbiter“ kann lautlos im Wasser gleiten, da er durch die Meeresströmung angetrieben wird. Mehr als die Hälfte des 51 Meter hohen Gehäuses liegt unter Wasser und bietet auf fünf Stockwerken durch die riesigen Fenster hindurch einen freien Blick hinaus in die Unterwasserwelt. Für die Menschen an Bord eröffnen sich damit vollkommen neue Erlebnis- und Erkenntnisräume – und das über wochen- oder gar monatelange Zeiträume hinweg. Bislang unbekannte und ungeahnte Möglichkeiten der Beobachtung tun sich dann auf und wir können endlich mehr über diese fremde Welt erfahren, von der wir heute noch immer nur sehr wenig wissen. Achtzig Prozent der Ozeane sind derzeit noch unerforscht, heißt es.

Und wem es vergönnt sein wird, diesem „Schiff“ jemals auf freier Fahrt in den Meeren unterwegs zu begegnen, der wird seinen Augen vermutlich beim ersten Anblick noch weniger trauen als schon beim Anblick des bloßen Modells im Bild. Und er wird aus dem Staunen kaum noch herauskommen.

Die Bilder dieses Beitrags finden sich auf der unbedingt sehenswerten Website von Jacques Rougerie.

Ein schmaler Pfad in einem riesigen Wald unerforschter Möglichkeiten

29.03.2012

Fritz Hallers kühnen Entwurf einer „Integrierten Stadt“ aus den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts kann man wohl ohne Übertreibung utopisch nennen. Er skizziert einen megalopolen Lebensraum, der vor allem durch die neuen Maßstäbe, in denen er denkt, neue Dimensionen eröffnet. Es geht hier nicht um Zehntausend oder Hunderttausend, sondern um Milliarden von Bewohnern, die jede dieser Städte von gigantischem Ausmaß, auf der ganzen Welt verteilt, in sich beherbergen sollen.

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Deren individuelle und soziale Bedürfnisse werden ebenso berücksichtigt wie die Anforderungen an Infrastruktur aller Art und vor allem auch die Bedürfnisse der Natur. Privaten Autoverkehr gibt es nicht. Der Transport erfolgt über ein umweltfreundliches Bahnsystem, das sich auf Kurz- und Mittelstrecken kontinuierlich zwischen Knotenpunkten hin- und herbewegt und die Beförderung von der Wohnung zum Arbeitsplatz in maximal 45 Minuten vorsieht. Langstrecken werden entweder im Hochgeschwindigkeitszug zurückgelegt oder, wenn es um globale Distanzen geht, in Flugzeugen der nächsten Generation, die in zweieinhalb Stunden die Strecke von New York nach Frankfurt zurücklegen können.

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Ein ganzheitlicher ökologischer Ansatz, der durch die Dimensionen, in denen er sich bewegt, eine Mischung aus Faszination und Erschrecken auslösen kann. Bis hin zu den Zeichnungen, die eine grandiose geometrisch-geographische Ordnung visualisieren und deren Ästhetik ebenso funktional wie furchteinflößend erscheint. Dabei war es vor allem immer auch der weite Raum, den die Natur in diesem Konzept einnimmt, und damit verbunden die bewusste Selbstbegrenzung des Menschen in seinem Lebensraum zugunsten seiner natürlichen Umwelt, der mich an Hallers globalem Besiedlungskonzept angesprochen hat.

Wie jede wirkliche Utopie stellt dieser Entwurf viele Nebenprobleme zurück, fokussiert aufs Grundlegende und fordert vor allem erst einmal die Vorstellungskraft heraus. Und in der ihm eigenen Bescheidenheit stellte Haller im ersten der zwei Bände seinerzeit fest: „die bedeutung der ganzen arbeit ist nicht größer als diejenige eines schmalen pfades in einem riesigen wald unerforschter möglichkeiten.“

Die Zeichnungen stammen aus „fritz haller: integral urban – a global model. walter-verlag olten, 1975. Das Zitat stammt aus dem Band „fritz haller: integral urban – a model. walter-verlag olten 1968.

Der Zeit voraus

14.03.2012

Das modulare Möbelsystem USM Haller ist weltweit bekannt. Der Architekt und Visionär Fritz Haller dagegen, von dem es entwickelt wurde, ist nur wenigen ein Begriff. Das mag daran liegen, dass er mit seiner Denkweise und den daraus resultierenden Konzepten der Zeit, in der sie entstanden sind, weit voraus war. Genau aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass Hallers freier Geist eine starke Anziehungskraft auf OUBEY hatte.

Fritz Haller

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Es war die radikale Konsequenz, durch die sich Hallers Bauten und Konzepte aufgrund ihrer modularen Systematik schon immer auszeichneten, und vor allem auch seine klare und kompromisslose Orientierung an den Bedürfnissen des Planeten Erde und der Menschen, die ihn bewohnen, auf die sich OUBEYs enge geistige Verbindung mit Fritz Haller gründete. Denn Haller entwarf nicht nur Industrie- und Zweckbauten oder das nach ihm benannte Möbelsystem, das demselben modularen Bauprinzip folgt wie die Häuser. Er entwickelte, teilweise gemeinsam mit seinen Studenten, auch futuristische Konzepte wie „Integral Urban“ oder „Prototypische Raumkolonien“. Die Zersiedlung der Erde aufgrund der hemmungslosen unsystematischen Inbesitznahme durch den Menschen forderte ihn zu einer ganzheitlichen Betrachtung heraus, aus der sich faszinierende Visionen für eine intelligentere Lebensgestaltung entwickelten. Dabei steht der Weltraum jeweils im Mittelpunkt – als zurück gewonnener Raum für die Natur auf der Erde, und darüber hinaus auch als extraterrestrischer Lebensraum für den Menschen, der sich ganz von der Erde zurückzieht und seinen Lebensmittelpunkt in Raumkolonien hinein verlegt.

Von Haller selbst nicht für die konkrete Umsetzung gedacht, sind diese Konzepte bis heute ein starker Denkimpuls, über den es zu diskutieren lohnt. Architektur integriert Bauen und Leben – immer, im Guten wie im Schlechten. Architektur als Ausdruck eines freien Denkens, das die Probleme der Zukunft erkennt und ihnen mit kühnen Entwürfen begegnet, ist rar. Und deshalb umso wertvoller. Nun widmet sich ein Symposium dem Lebenswerk des inzwischen 87jährigen Fritz Haller. Am 15. und 16. März werden die verschiedenen Aspekte seines Schaffens an der ETH in Zürich eingehend beleuchtet und gewürdigt. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Vom Sprungbrett des Gefühls in den Erkenntnisraum des Staunens

29.02.2012

„Die Wissenschaft beginnt mit dem Staunen“ sagte Aristoteles. Wir kommen zum Staunen auf dem Weg von der Neugier, durch die Lust am Entdecken und können, vom Staunen aus weitergehend, auf diesem Weg bis hin zu einzigartigen Momenten des Erkennens, Bewußtwerdens und Denkens gelangen.

Das Staunen scheint eine Quelle der Erkenntnis besonderer Art zu sein. Voller Achtung und Bewunderung gegenüber dem Ungewöhnlichen, Unerwarteten, Anderen und Überraschenden, das uns aber nicht so unglaublich erscheint, dass wir es nicht doch für real oder zumindest für möglich halten würden. Das Staunen setzt den Glauben voraus, dass das, was man bestaunt, tatsächlich existiert. Genau aus diesem Grund kann es uns über die Grenzen unserer konventionellen Alltagsvorstellung hinaustreiben und in neue Erkenntnisräume hineinkatapultieren. Wie ein Sprungbrett. OUBEYs Bilder versetzen diejenigen, denen sie begegnen, jedes Mal aufs Neue in Erstaunen

Schon das Staunen an sich ist wundervoll. Das eigene Staunen zu genießen erst recht. „Wer nicht mehr staunt, ist eigentlich schon tot“, meinte Einstein. Wer nicht mehr staunt, glaubt alles zu wissen oder will nichts mehr wissen und unterwirft sein Leben freiwillig einer fatalen Begrenzung seiner Möglichkeiten. Im Staunen wirkt die verführerische Kraft der Begeisterung. Wer sich auf das Staunen einlässt, befindet sich inmitten eines aufregenden geistigen Abenteuers. Kinder staunen nahezu andauernd und hemmungslos. Für sie ist alles neu. An ihnen erleben wir in unkontrollierter Unmittelbarkeit, welche Freude das Staunen im Menschen auslösen kann, mit welcher Gefühlskraft es verbunden ist.

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis, nicht ihr Ende. Es kann sich an den kleinsten Dingen ebenso entzünden wie an den größten. Wie ein Schlüssel, der eine Tür öffnet, erschließt es uns den Weg in unentdecktes, unbekanntes und unerklärliches Terrain hinein. Je weiter wir vordringen und je mehr wir erfahren über uns selbst und den Kosmos, in dem wir existieren, desto größer wird unser Staunen. Unser Staunen wächst mit jedem Fortschritt der Wissenschaft.

Das Gefühl ist wie ein Gummiband

13.02.2012

„Unmittelbarkeit ist für meine Bilder das Entscheidende. Unmittelbarkeit ist etwas, das nur über das Gefühl erreichbar ist. Das Bild sollte im Idealfall wie ein Klang oder ein Lichtstrahl ins Auge oder ins Herz gehen. Bei allen Überlegungen, die auch dahinter stecken mögen, ist letztlich das Gefühl das Entscheidende. Weil das Gefühl jeden Menschen anspricht, jeden! Fühlen ist Vor-Denken und ist auch wieder Nach-Denken. Das Gefühl ist wie ein Gummiband, ein Sprungbrett, eine Schleuder. Je höher der Raum ist, in dem sich das Gefühl entwickeln kann, umso besser.“

OUBEY

Tatsächlich scheinen OUBEYs Bilder zumindest bei vielen der bisherigen Betrachter so unmittelbar ins Herz zu gehen wie ein Klang. Denn neben einer Vielzahl an spontanen geistigen Assoziationen und intellektuellen Verknüpfungen lösen sie dabei immer auch Gefühle aus.


“It´s a sort of an earth language that has been painted”

Im Encounter der Mezzosopranistin Liz Howard mit einem von OUBEYs Bildern wird seine Vorstellung vom Gefühl als Sprungbrett besonders lebendig. In dieser Begegnung geht ein Raum der Gefühle auf wie man ihn sich höher und weiter wohl kaum vorstellen kann. Das Video von diesem Encounter kann man hier anschauen.

Das MINDKISS Prinzip

30.01.2012

Vor kurzem fragte mich jemand, weshalb ich im OUBEY Blog so viel über inhaltliche Themen schreibe und nicht viel mehr über meine Erlebnisse und Erfahrungen im MINDKISS Projekt oder meine persönlichen Gedanken zu OUBEYs Bildern.

OUBEY selbst hat mit einer Aussage die Spur zu meiner Antwort auf diese Frage gelegt, als er sagte: „Meine Kunst spiegelt einfach die Freude an der Erkenntnis“. Das MINDKISS Projekt folgt dieser Spur. Es legt Fährten, öffnet Fenster, initiiert Begegnungen und macht Entdeckungen möglich – ausgelöst durch OUBEYs Kunst und die geistige Aufladung, die in ihr steckt. Jeder, der Lust dazu hat, kann sich auf einen Streifzug begeben durch dieses Gelände und die Welt entdecken, in der OUBEYs Geist zuhause war. Die Freude an der Erkenntnis steht dabei im Mittelpunkt – auch für mich selbst. Das nenne ich das MINDKISS Prinzip.

Diesem MINDKISS Prinzip folgen ja auch die Begegnungen einzelner Personen mit OUBEYs Bildern, die ich in den „Encounter Videos“ festhalte und ins Netz stelle. Sie eröffnen überraschende Perspektiven, Blickwinkel und Denkrichtungen – kleine Entdeckungen für alle Beteiligten. Das Ganze ist wie ein kontinuierlich wachsendes Puzzle, dessen Teile sich in jedem Kopf zu immer neuen Bildern zusammenfügen können, für die es kein Modell gibt.

Teile eines Puzzels: Zwölf Encounter Videos stehen bereits im Netz.

Wenn man OUBEY und seine Kunst interessant findet, dann macht es viel Sinn und bereitet hoffentlich auch Vergnügen, sich mit Monaden, Strings und Quanten zu beschaeftigen, mit Prototypischen Raumkolonien und (Unter)Wasserwelten, mit Perry Rhodan, Prigogine, Tschaikowsky und Stanley Kubrick, mit Wellen, Strahlen und Klängen und vielem anderen mehr, worüber ich im OUBEY Blog schreibe. Darin findet sich, genau wie in den Encounter Videos, etwas vom geistigen Urgrund wieder, aus dem OUBEYs Kunst hervorgegangen ist. Das zu ermöglichen, sehe ich als Teil meiner Rolle in diesem Projekt.

Natürlich schreibe ich auch immer wieder gerne über meine Erlebnisse und Erfahrungen im MINDKISS Projekt. So vielleicht auch demnächst, wenn ich mit einigen Bildern erneut auf Encounter-Reise gehe. Aber vor allem schreibe ich gerne über das, was OUBEY (und auch mich) schon immer besonders begeistert und beschäftigt hat und was seine Kunst ganz eng mit dem Kosmos und so auch mit uns verbindet. Aus den eingegangenen Kommentaren weiß ich, dass viele beim Lesen des OUBEY Blogs ihre ganz eigenen Erkenntnisse gewinnen und daran große Freude haben. Nicht zuletzt deshalb schreibe ich diesen Blog gerne so wie ich ihn schreibe.

Abenteuer im Kopf

14.01.2012

Die Tatsache, dass die String-Theorie von so namhaften Wissenschaftlern wie Prof. Brian Greene von der Columbia University in New York vertreten wird, ändert nichts daran, dass Viele sie bislang dennoch für abenteuerliche Fantasterei halten. Das liegt vielleicht auch daran, dass die grundlegenden Annahmen, die die Voraussetzung dafür bilden, dass diese Theorie tatsächlich stimmen könnte, so abenteuerlich klingen, dass sie unsere Vorstellungskraft drastisch herausfordern.

Zu diesen Voraussetzungen gehört z.B. die Annahme, dass es im Universum nicht nur die uns vertrauten vier Dimensionen der Raumzeit gibt, sondern sage und schreibe elf Dimensionen. Und damit verbunden ergibt sich als weitere Voraussetzung die Annahme, dass unser Universum nicht das Einzige im Kosmos wäre. Die konkreten Vorstellungen von einem Multiversum sind vielfältig. Ob sich unser Universum mit seinen drei Raumdimensionen wie ein flaches Tal in einem elfdimensionalen kosmischen Gebirge aus weitere parallelen Universen befindet, ob es einer Blase gleicht, die mit anderen Blasen durch Wurmlöcher verbunden ist oder ob es womöglich ganz anders aussieht, kann niemand sicher sagen. Von der Existenz eines solchen „Multiversums“ ist David Deutsch von der Oxford University, auch Erfinder des Quantencomputers, allerdings fest überzeugt.

Kuben, Blasen oder ganz andere Formen – wie das Multiversum aussieht, weiß heute noch kein Mensch

Eine menschliche Vorstellungskraft, die sich über alle herkömmlichen Denkgrenzen radikal hinwegsetzt und sich dabei aufs Engste mit so exakten Wissenschaften wie der Mathematik und Astrophysik verbindet – das ist Science Fiction im allerbesten Sinn. Geistige Abenteuer dieser Art als Ausdruck von unbändiger Freiheit des Denkens und präziser wissenschaftlicher Vorgehensweise auf höchstem Niveau gehörten für OUBEY zu dem, was er einmal „die Freude an der Erkenntnis“ nannte.

Was wir heute noch nicht für möglich halten, kann sich schon bald als Realität erweisen. Die Abstände zwischen diesen Extremen verkürzen sich zusehends und wir werden sehen, wie die Evolutionsfähigkeit und -geschwindigkeit des Gesamtsystems Mensch mit den rasant wachsenden Erkenntnissen seines Gehirns auf Dauer mithalten kann.

In Anlehnung an die Gedanken von Arthur C.Clarke und Stanley Kubrick in ihrem gemeinsamen Vorwort zu „2001 – Odyssee im Weltraum“ könnte man es so sehen: Die Wahrheit wird am Ende weit erstaunlicher sein als es unsere heutigen Abenteuer im Kopf je sein können.

Das Originalzitat von Arthur C. Clarke und Stanley Kubrick findet sich unter anderem auch in OUBEY MINDKISS: StarPixels. Mehr über Paralleluniversen gibt es unter anderem hier.

Unser Universum – eine grandiose kosmische Sinfonie?

02.01.2012

Interessanterweise kreuzen sich in der Erforschung der Frage was Musik eigentlich ist und welche Bedeutung ihr im kosmischen Zusammenspiel zukommt, seit jüngster Zeit die Wege so unterschiedlicher Wissenschaften wie der Astrophysik, der Mathematik, der Hirnforschung und der Musikforschung. Die Komplexität von Sein und Werden im Kosmos kann nur interdisziplinär erforscht werden. Dass so etwas vermeintlich Banales wie die Musik sich hierbei als Schlüssel zu einem Sesam an ganz neuen Erkenntnissen zu erweisen scheint, versetzt heute Viele in Erstaunen. Wenn man OUBEYs gedanklichen und künstlerischen Spuren folgt, ist das allerdings nicht so überraschend.

Stellt man z.B. die einfache Frage, was die bloßen Töne und Geräusche von dem unterscheidet, was wir Klang oder Musik nennen, befindet man sich bei der Suche nach der Antwort schon inmitten der Verknüpfung dieser verschiedenen Wissenschaften. Aus einem Ton wird ein Klang, wenn durch die Schwingung des Tons mehrere Obertöne ausgelöst werden wie dies beispielsweise der Fall ist, wenn die Tastenhämmer eines Klaviers dessen Saiten anschlagen, oder der Bogen über die Saiten einer Violine streicht. Es entsteht eine ganze Resonanzreihe, die strengen mathematischen Regeln folgt. Eine solche Schwingung ist also mit Hilfe des Gehirns zu Musik gewordene Mathematik.

Die Hirnforschung zeigt, dass der auditive Cortex nach Tonhöhen geordnet ist wie ein Klavier. Unterschiedliche neuronale Gebiete bearbeiten die verschiedenen Teilaspekte der Musik: Hohe Töne, tiefe Töne, Rhythmus etc. Es heißt, dass es keine kognitive Funktion in unserem Gehirn gibt, die nicht irgendwie mit Musik zu tun hat.

Und die Astrophysik wirft neuerdings die Frage auf, ob Musik möglicherweise sogar das Herz aller Materie sein könnte. Es heißt, dass selbst die schwarzen Löcher Töne haben. Sie liegen allerdings 57 Oktaven unterhalb dessen, was wir hören können. Folgt man der String-Theorie, dann sind Strings die kleinsten Bausteine des Universums, unvorstellbar winzige Fäden aus Energie, die sich in permanenter Schwingung befinden, etwa so wie die Saiten einer Violine oder eines Klaviers, wenn sie angeschlagen werden.


Frei flottierende Strings – eine Computeranimation aus dem Video “Was Einstein noch nicht wußte”

Ist unser Universum möglicherweise eine grandiose kosmische Sinfonie, komponiert aus den Schwingungen der Strings?

Video Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=Si8erALNaHE